Hinter den Kulissen - Teil I

Einen Einblick in den Alltag als Handfärberin. Hmm.

Schauen wir mal hinter die Kulissen der Instagram Bilder.

 

 

Um zu verstehen, was ich warum wie mache, braucht es vielleicht ein paar Hintergrundinformationen, weil ich keinen ganz klassischen Werdegang als Handfärberin hatte.

Normalerweise  fängt jemand einfach mal aus Interesse an, in der eigenen Küche etwas zu färben, findet das ganz toll und kommt auf die Idee, die Garne auch zu verkaufen. Dann wird erstmal ein selbstfinanzierendes Hobby daraus und die Einnahmen werden in Garn investiert, das sobald es gefärbt ist in der Stückzahl angeboten wird. So kann man immer mal neue Farben und Qualitäten ausprobieren, kann dann färben wenn man gerade neben dem normalen Leben Zeit hat in den Farben, nach denen einem gerade der Sinn steht.

 

 

Bei mir war das etwas anders. Ich hatte einen Laden, ein Craft Labor, von den Kunden hauptsächlich als Wollgeschäft wahrgenommen. Recht bald wollte ich handgefärbte Garne ins Sortiment nehmen. Ich wollte aber eigentlich nicht wieder selber färben weil ich aus Erfahrung (long time ago) sehr gut wusste, dass das Färben Zeit und Platz beansprucht, was ich zu dem Zeitpunkt beides nicht hatte.

Nachdem aber eine Zusammenarbeit mit einer Färberin gescheitert ist, hat es mich doch in den Fingern gejuckt.

 

 

Also habe ich es ausprobiert. Nur so zum Spaß, wie alle anderen auch. Und natürlich habe ich die Garne auch mit in den Laden genommen um zu sehen, wie sie bei den Kunden ankommen. Mit der Reaktion hatte ich allerdings nicht gerechnet.

Ab dem Tag schauten die Kunden hauptsächlich nach den selbstgefärbten Garnen, die anderen blieben immer mehr liegen.

 

 

Aber kennt ihr das klassische Verhalten im Wollgeschäft? Bestimmt.

„Haben Sie die Farbe auch in dicker?“

„Oh, die Qualität ist ja toll. Haben Sie die auch in grün?“

„Haben sie auch Sockengarne?“ „Ich verkaufe eigentlich nur plastikfreie Wolle.“ „Ich stricke aber nur Socken und suche was buntes, was da dazu passt.“

So hat sich das schnell verselbständigt. Ich hatte also bald mehrere Qualitäten und eine Auswahl an Farben. Natürlich konnte ich auch immer wieder etwas Neues ausprobieren, aber weil alle wussten, dass ich selbst die Färberin bin, gab es kein „Das ist gerade nicht lieferbar.“

 

 

Also war ich drei Tage die Woche im Laden und habe zwei Tage gefärbt. Die Stränge habe ich im Laden versucht zwischen den Kundenbesuchen fertig zu machen. Hat nicht immer geklappt.

Der erste Lockdown hat uns dann die Zeit geschenkt, mal die Zahlen anzuschauen und mir die Augen geöffnet, wie irre das ist, was ich da gerade treibe. Mit dem Ziel vor Augen einen Onlineshop aufzumachen habe ich mich gut von meinem Laden trennen können. Mehr Zeit zu färben.

 

 

Aber: es war von Anfang an klar, das ist mein Hauptberuf. Also keine Option nur immer mal was Neues auszuprobieren und zu hoffen, dass ich es verkaufen kann. Dazu bin ich zu sehr Kauffrau.

Also habe ich entschieden, eine gewisse Menge Farben auf einer Anzahl Qualitäten immer auf Bestellung anzubieten und Neues in Sonderformaten auszuprobieren. Das war vor ca 9 Monaten.

 

 

Und wie kriegen wir das hin?

Mittlerweile darf ich getrost Wir sagen, denn ich bin nicht mehr allein. Zwei Tage die Woche werde ich von Mara beim Färben, fertigmachen der Stränge und beim Versand unterstützt und Nina kümmert sich um Ravelry, neue Etiketten etc.

Wie so ein klassischer Färbetag aussieht, erfahrt ihr im nächsten Teil.

 

Bis dahin alles Liebe,

Jule

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