Hinter den Kulissen - Teil II

Nehmen wir also einen klassischen Färbetag.

8:30 Ich gehe mit den Bestellungen rüber ins Atelier und schaue jede einzeln durch, was am Lager ist und was wir noch färben müssen. Alles was bereits da ist, wird zur Seite gelegt und was noch fehlt, wird in eine Liste eingetragen.

Mit dieser Liste erstelle ich dann den Färbeplan für diesen Tag. Wie viel von welcher Qualität? Muss ich Töpfe auffüllen um mindestens 3 Stränge zu haben? Welche Qualitäten vertragen sich in einem Topf, welche nicht? Welche Farben können wir hintereinander färben um Wasser zu sparen?

Wenn der Plan steht, werden die entsprechenden Stränge für den Tag einzeln beringt und (je Gang ein Eimer) eingeweicht. Währenddessen werden die Töpfe/Wannen geputzt, mit Wasser gefüllt und die Farben vorbereitet.

Wenn wir zu zweit färben, schaffen wir 5 Töpfe und 4 Wannen gleichzeitig. Mehr geht auch platzbedingt gerade noch nicht.

Das war schon die erste starke Stunde Arbeit, ohne dass das Garn auch nur einen Klecks Farbe gesehen hat. Also „mal eben“ was färben ist nicht.

Das eigentliche Färben kann ich nur grob zusammen fassen, da es so unterschiedlich ist. Manche Färbungen brauchen nur eine Gabe Pigment und fixieren schnell, andere bekommen bis zu 7 Gaben Pigment, müssen zwischendurch immer wieder die Farbe aufnehmen und brauchen je nach Qualität/Base mehrere Stunden, bis sie fertig sind. Wir bewegen uns hier zwischen 1-2h, Wolle sollte man schließlich nicht zu schnell hoch heizen. Letztere müssen oft noch über Nacht komplett auskühlen um richtig zu fixieren. Diese Töpfe sind dann belegt, das muss ich vorher bei der Planung berücksichtigen. Dementsprechend schaffen wir mal mehr, mal weniger an einem Tag.

Nach dem Auskühlen werden die Stränge gespült und dürfen noch eine Weile in Wollpflege entspannen. Da ich alle Rezepte so bemessen habe, dass möglichst alles Pigment vollständig vom Garn aufgenommen wird, geht das relativ fix mit wenig Wasseraufwand. Mit Wasser versuchen wir so sparsam wie möglich umzugehen und das ist auch mit ein Grund, warum wir nicht mit Pflanzen färben. Aber dazu ein andermal mehr.

Für heute heißt es: schleudern, trocknen, Feierabend.

Wenn ich nachmittags allein weiter färbe, ist es dann, mit Pausen zum Essen und nach den Kindern sehen, übrigens oft 21Uhr bis der letzte Strang hängt.

Und was kommt dann?

Wenn die Stränge trocken sind, brauchen wir etwa noch mal einen Arbeitstag, bis alle Pakete gepackt sind.

Erst bringen wir alles rüber ins Atelier, wo unsere Wickelstation und der große Packtisch stehen.

Jeder Strang wird einzeln aufgeschüttelt um ihn zu entwirren, die Bindefäden muss man bei manchen richtig suchen um sie vor dem Wickeln zu entfernen. Es soll ja ordentlich aussehen und wir wollen euch nicht unsere Arbeit überlassen.

Meist sind die Banderolen schon getackert und die Etiketten geschnitten, dann geht es schneller. Die Farbnamen auf die Etiketten schreiben, kleben, Banderole über den Strang ziehen, fertig.

Aber all solche Sachen gehören eben auch dazu. Etiketten für jede Qualität erstellen, ausdrucken, schneiden, Banderolen tackern, Garnproben wickeln und beschriften, die kleinen Danke-Briefchen schreiben, VersandLabel erstellen und alles ordentlich verpacken sind nur die unmittelbaren Dinge.

Was sonst noch alles im Verborgenen passiert, erfahrt ihr beim nächsten Mal.

 

Bis dahin alles Liebe,

Jule

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